Schwerpunkt · Vöcklabruck
Trauma und Traumafolgestörungen
Belastende Erlebnisse wie Unfälle, Gewalt, der plötzliche Verlust eines Menschen oder anhaltende Vernachlässigung können tiefe Spuren hinterlassen. Viele Reaktionen danach sind normal, manchmal klingen sie aber nicht von selbst ab.
Was sind Traumafolgestörungen?
Unmittelbar nach einem traumatischen Ereignis sind Schock, Unruhe, Schlafprobleme oder sich aufdrängende Erinnerungen häufig und oft Teil der natürlichen Verarbeitung. Halten die Beschwerden jedoch über Wochen und Monate an, kann eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) vorliegen. Typisch sind:
- Wiedererleben: belastende Erinnerungen, Albträume oder das Gefühl, das Ereignis noch einmal zu durchleben („Flashbacks“)
- Vermeidung: Orte, Menschen, Gespräche oder Gedanken, die an das Ereignis erinnern, werden gemieden
- Anhaltende Alarmbereitschaft: Schreckhaftigkeit, Reizbarkeit, Schlaf- und Konzentrationsprobleme
- Veränderte Sicht auf sich und die Welt: Schuld- und Schamgefühle, Misstrauen, das Gefühl, von anderen getrennt zu sein
Der Hintergrund: Das Gedächtnis hat das Erlebte nicht als „vergangen“ abgespeichert. Deshalb fühlt es sich bei Erinnerungen an, als wäre die Gefahr noch gegenwärtig. Nach wiederholten oder lang andauernden Belastungen, etwa in der Kindheit, können zusätzlich Schwierigkeiten mit der Gefühlsregulation, ein sehr negatives Selbstbild und Probleme in Beziehungen auftreten. Man spricht dann von einer komplexen PTBS.
Wie läuft die Behandlung ab?
Traumafokussierte Psychotherapie gilt laut Leitlinien als Behandlung der ersten Wahl. Typische Schritte sind:
- Sicherheit und Stabilisierung: Zuerst geht es um Ihre aktuelle Sicherheit und um Werkzeuge, mit denen Sie Erinnerungen, Anspannung und Schlafproblemen im Alltag besser begegnen können.
- Verstehen, was in Körper und Gedächtnis passiert: Das Wissen um typische Traumareaktionen nimmt vielen Betroffenen die Angst, „nicht normal“ zu sein.
- Traumabearbeitung: In einem sicheren Rahmen wird das Erlebte schrittweise erinnert und neu eingeordnet, etwa durch Konfrontation in der Vorstellung oder durch Imagery Rescripting, bei dem belastende Erinnerungsbilder um neue, schützende Elemente ergänzt werden. Schuld- und Schamgedanken werden gezielt bearbeitet.
- Integration und Zukunft: Das Erlebte wird Teil Ihrer Geschichte, ohne Ihr Leben weiter zu bestimmen. Vermiedene Lebensbereiche werden wieder zugänglich.
Bei komplexer Traumatisierung dauert die Behandlung meist länger, und die Stabilisierung bekommt mehr Raum. Sie entscheiden jederzeit mit, wie viel und wie schnell erzählt wird.