Schwerpunkt · Vöcklabruck

Zwangs­störungen

Zwangsgedanken und Zwangshandlungen werden von Betroffenen meist selbst als übertrieben oder unsinnig erlebt und lassen sich trotzdem kaum unterlassen. Viele schämen sich dafür und warten lange, bis sie Hilfe suchen.

Was ist eine Zwangs­störung?

Bei einer Zwangsstörung (englisch OCD, Obsessive-Compulsive Disorder) drängen sich immer wieder unangenehme Gedanken, Bilder oder Impulse auf, etwa sich zu verunreinigen, jemandem zu schaden oder etwas Wichtiges vergessen zu haben. Sie lösen starke Angst, Ekel oder Anspannung aus. Um diese Gefühle zu verringern, führen Betroffene Zwangshandlungen aus, zum Beispiel Waschen, Kontrollieren, Ordnen oder Zählen (etwa als Wasch- oder Kontrollzwang), oder sie versuchen, die Gedanken durch Grübeln oder Gegengedanken „ungeschehen“ zu machen.

Wichtig zu wissen: Aufdringliche, unangenehme Gedanken kennen fast alle Menschen. Entscheidend ist nicht ihr Inhalt, sondern die Bedeutung, die man ihnen gibt, etwa „Wenn ich so etwas denke, muss ich verhindern, dass es passiert“. Zwangshandlungen bringen kurzfristig Erleichterung, bestätigen aber gleichzeitig, dass der Gedanke gefährlich war. So verfestigt sich der Kreislauf.

Etwa 1 bis 3 von 100 Menschen erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Zwangsstörung. Sie beginnt häufig in der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter.

Wie läuft die Behandlung ab?

Methode der ersten Wahl ist die kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition und Reaktionsmanagement. Typische Schritte sind:

  1. Den Zwangskreislauf verstehen: Wir halten fest, welche Gedanken, Gefühle und Handlungen bei Ihnen zusammenhängen und wie viel Zeit und Kraft der Zwang kostet.
  2. Eine Übungsleiter erstellen: Situationen werden nach ihrer Schwierigkeit geordnet, von „gut machbar“ bis „sehr schwer“.
  3. Exposition mit Reaktionsmanagement: Sie begeben sich, zunächst gemeinsam mit mir, bewusst in diese Situationen und verzichten dabei auf Zwangshandlungen, Rückversicherung und gedankliches Neutralisieren. Dabei erleben Sie, dass die Anspannung auch ohne Zwang wieder abklingt.
  4. Gedanken neu einordnen: Wir bearbeiten Überzeugungen wie übermäßige Verantwortung oder die Angst vor den eigenen Gedanken und üben, Zweifel und Ungewissheit stehen zu lassen.
  5. Angehörige einbeziehen und vorbeugen: Wenn Partner oder Familie in Rituale oder Rückversicherungen eingebunden sind, kann ein gemeinsames Gespräch sehr entlasten. Zum Abschluss erarbeiten wir einen Plan zur Rückfallvorbeugung.

Die Übungen sind anstrengend, sie werden aber nie überfallsartig durchgeführt: Sie bestimmen das Tempo mit, und jeder Schritt wird vorher besprochen.